Rinderwahn auf der Autobahn

Chefredakteur Michael Adler Michael Adler

Henry Ford hatte seine Idee, Automobile am Fließband fertigen zu lassen, als er im Chicagoer Schlachthof die effiziente Zerlegung von Schweinen und Rindern beobachtete.

Die Idee hat sich durchgesetzt, in der Autoproduktion genauso wie in der Fleischproduktion. In beiden Fällen ist die arbeitsteilige Arbeitsweise mit ihren vielen Transportwegen jedoch genauso ökologisch belastend wie marktverzerrend subventioniert.

Gleichwohl scheint die Agrarlobby noch erfolgreicher im Sinne ihrer Klientel zu agieren, treibt der Subventionsdschungel in Brüssel noch absurdere Blüten. Vordergründig geht es um unser "täglich Brot" und Fleisch "aus deutschen Landen frisch auf den Tisch".

In Wahrheit geht es um viel Geld. Über 200 Milliarden Mark setzt die Agroindustrie pro Jahr in Deutschland um, vom Saatguthersteller und Futtermittelerzeuger, von Bayer und BASF bis zu Molkerei- und Fleischgenossenschaften. 80 Milliarden Mark gibt die Europäische Union (EU) für die gemeinsame Agrarpolitik aus, aus Berlin fließen weitere 15 Milliarden an Subventionen.

Die fortschreitende Industrialisierung unserer Lebensmittelproduktion führt von Skandal zu Skandal: Tiermehl als Futter für Grasfresser, dioxinverseuchte Eier aus Legebatterien, antibiotikagetränkte Schweineschnitzel und hormongemästete Kälber. Und, bei alledem, Millionen Transporte kreuz und quer durch Europa. Futtermittel, Pharmaprodukte, Ferkel aus Zuchtbetrieben an Mastbetriebe, gemästete Rinder an zentrale Schlachthöfe, von Schafen aus Schottland nach Nordafrika, von Rindern aus Frankreich nach Osteuropa und, und, und.

250 Millionen sogenannte Großtiereinheiten werden jährlich in der EU hin und her gekarrt. Oft stehen die Tiere 20 Stunden und länger in den fahrenden Gefängnissen ohne Wasser, ohne Nahrung. Bis zu zehn Prozent überleben diese Tortur nicht. Wirtschaftlich ist auch das kein Problem. Die EU erstattet "Kosten" pro lebend exportiertem Tier. Ob das Tier am Zielort noch lebend ankommt, ist für die Subvention egal, da die Exporterstattung nach dem Gewicht am Versandort ermittelt wird.

Ob dieser mörderischen Transportkette war es von Anfang an illusorisch, dass Deutschland BSE-frei bleibt, bei der Maul- und Klauenseuche sowieso. Apokalyptische Bilder von brennenden Kadavertürmen lassen nun den Verbraucher erschaudern und den Lobbyisten erzittern. Viel ist von Ethik und Moral die Rede in den letzten Wochen. Zu Recht, aber zu spät.

Die Lösung liegt auch im Globalisierungszeitalter im regionalen Wirtschaften, in der artgerechten Haltung von Tieren, in regionalen Schlachthofstrukturen, im Verzicht auf Pestizide auf dem Acker und Spritzen im Stall. Ob die neue Verbraucher- und Landwirtschaftsministerin Renate Künast mit der Agrarwende Erfolg hat, hängt auch von unser aller Entscheidung an der Ladentheke ab. Kaufen Sie regionale Produkte und kaufen Sie ökologische Produkte, auch wenn's ein paar Mark mehr kostet.

Guten Appetit zum Ostermenü wünscht Ihnen Ihr Michael Adler

 
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