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Der Grund: Die sogenannte Vorlandbrücke ist einsturzgefährdet. Deus ist als Oberbürgermeister angetreten, um die Bonner Radverkehrsinfrastruktur, die unter seiner Grünen Vorgängerin in 5 Jahren deutlich ausgebaut wurde, wieder zurückzubauen. Sein Haupt-Wahlversprechen: Freie Fahrt für den Bonner Autoverkehr. Passend dazu schafft er sich zum Amtsantritt – statt des Dienstrades, das seine Vorgängerin effizient genutzt hat – einen Dienstwagen inkl. Chauffeur an, der die Stadt nach Schätzung des Bonner Generalanzeigers 1.700 Euro pro Woche kostet. Nun sitzt Deus in seinem Dienstwagen im Stau und überdenkt – hoffentlich – sein Leben.
Denn: Seit Juni wird Bonn von einer unfassbaren Reihe an Mobilitätsflüchen getroffen, die schon fast kein Zufall mehr sein können.
Zuerst muss, wie gesagt, eine der drei Bonner Brücken vollständig gesperrt werden. Die Bonner Innenstadt versinkt im Verkehrschaos. Dann folgt am 10. Juli die 6-monatige Sperrung der rechtsrheinischen Bahnstrecke aufgrund von Bauarbeiten. Das allein wäre eigentlich Herausforderung genug. Aber es gibt auch noch eine geplante Brückensanierung rund um B56 und A565 im Bonner Stadtgebiet – mit Umleitungen und Folgen für mehrere Straßenbahnverbindungen.
Die erste Notmaßnahme, mit der OB Deus die Öffentlichkeit überrascht: Er macht den ÖPNV im Stadtgebiet kostenlos, damit möglichst viele Autofahrende auf Bus und Bahn umsteigen. Abgesehen davon, dass alle Busse und die meisten Bahnen eh im Stau stehen, fällt just zu dem Zeitpunkt auch die Stadtbahn 66 aus – nicht nur, weil eine Brücke für Bahnarbeiten gesperrt ist, sondern auch, weil entlang der Linie Kupferkabel in größerem Maß gestohlen werden – 6 Wochen keine 66.
Am 16.7. fährt sich ein Hotelschiff unweit der Bonner Kennedybrücke in der Fahrrinne fest. Das Wasser im Rhein ist aufgrund der anhaltenden Trockenheit so stark gesunken, dass nun auch die Wasserschifffahrt massiv eingeschränkt ist. Und der Pegel fällt weiter.
Wer denkt, schlimmer kann es nicht mehr kommen, irrt sich aber leider: Am 20.7. verkünden die Bonner Stadtwerke, dass 60 von 75 Straßenbahnen in Bonn aus dem Verkehr gezogen werden müssen, weil sie technische Schwachstellen haben und nicht einsatzfähig sind. Zwar hilft Köln mit 20 Bahnen aus. Der ÖPNV-Verkehr in Bonn bricht aber dennoch zusammen.
Keine Brücken, aber viele Fähren? Stimmt theoretisch. Aber Anfang August melden sich die Fähren eine nach der anderen wegen niedrigem Wasserstand ab.
Keine Bahnen, keine Autobahnen, keine Straßenbahnen, keine Fähren, kein Wasser im Rhein: Wenigstens sind aktuell noch Schulferien, so dass der Pkw-Verkehr etwas nachlässt. Trotzdem stauen sich Lkw, Pkw, Busse und Taxen kreuz und quer durch Bonn. Wer hier unterwegs ist, erlebt ein unvorstellbares Chaos. Selbst die CDU träumt inzwischen sehnsüchtig von einer Seilbahn.
Das Einzige, was an Mobilität in Bonn funktioniert: der Radverkehr. Schnell, effizient und resilient – trotzt er allen Hindernissen. Mehr als doppelt so viele Menschen nutzen inzwischen das Rad, um zur Arbeit zu kommen.

Und Deus? Sitzt immer noch im Dienstwagen und dirigiert aus seinem immobilen Büro heraus den Rückbau der Radwege. Zwei Verkehrsminister waren auch schon da. Der erste, den es inzwischen nicht mehr gibt, hat schnelle Hilfe fürs Brückenchaos zugesagt.
Der zweite, der ganz neu im Amt ist, kam vergangene Woche zur Niedrigwasser-Konferenz nach Bonn, schaute auf das trockene Flussbett und kündigte an das Sonntagsfahrverbot für Lkw zu lockern, damit die Wirtschaft nicht zusammenbricht.
Der Fluch für Bonn wird also weitergehen mit noch mehr Lkw in der Innenstadt – jetzt auch sonntags.
Vielleicht ist es an der Zeit, dass Deus dem Bonner Mobilitätsgott ein Opfer bringt, den Dienstwagen wieder abschafft und stattdessen auf ein solides E-Rad umsteigt. Und natürlich die Radverkehrsinfrastruktur weiter ausbaut! Denn eine neue Autobahnbrücke wird es frühestens in zwei Jahren geben.

Regine Gwinner
Geschäftsführerin
Regine ist unsere Expertin für klimaschonendes Reisen und Chefredakteurin des Reisemagazins „Anderswo“.
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